Endlich wieder: Lehrertheater am Aloisianum

Er hatte zwei Pistolen und seine Augen waren schwarz und weiß
Komödie von Dario Fo

1982 schlug für uns Lehrer und Lehrerinnen, Erzieher und Erzieherinnen die Stunde der Premiere: Dr. Jakob Ebner hatte seine Theaterbegeisterung auf uns alle übertragen und wir wagten uns auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Ob "Zerbinettas Befreiung", "Baby Wallenstein", "Othello, der Mohr von Wien", "Die schlimmen Buben in der Schule", "Kaiser Joseph und die Bahnwärterstochter", innerhalb eines Jahrzehntes traten wir immer wieder an die Öffentlichkeit und stellten uns den kritischen Augen unserer Schüler und deren Eltern, spürten, was Lampenfieber bedeutet und erlebten, welche positiven Effekte die gemeinsame Arbeit für unsere Gemeinschaft hatte.

Doch dann eine längere schöpferische Pause, die Stückauswahl stellte sich als schwierig heraus. Wir wollten Unterhaltsames spielen an dem möglichst viele von uns teilnehmen können sollten, und diese Ansprüche waren erstaunlicherweise kaum zu erfüllen, außerdem forderten viele schulische Änderungen und Neustrukturierungen unsere Energien.
Aber der Gedanke an eine neue Inszenierung ließ uns dennoch nie los, immer wieder stellten wir uns die Frage: "Wann spielen wir wieder?"

Und schließlich war es soweit, Dr. Ebner, obwohl damals bereits ein Jahr in Pension, konnte und wollte sich unserem Drängen nicht mehr entziehen, er erklärte sich bereit, wieder Regie zu führen, und er hatte die Idee: warum nicht einmal Dario Fo, warum nicht ein so bekanntes Stück wie "Er hatte zwei Pistolen und seine Augen waren schwarz und weiß", dass außerdem noch all unseren bereits erwähnten Ansprüchen Genüge tat?

Gesagt, getan! Norman Hämmerle und Walter Klopf übernahmen die Organisation. Und obwohl zuerst Zweifel auftraten, ob das Stück überhaupt spielbar sei, sowie alle Verwechslungen nachvollziehbar und die vielen Ort- und Szenenwechsel bühnentechnisch bewältigbar, wurden die Rollen verteilt um über die Sommerferien gelernt zu werden ...
Auch Pater Paul Mühlberger SJ, ebenfalls bereits in wohlverdienter Pension, ließ es sich nicht nehmen, wieder gemeinsam mit uns zu spielen und er übernahm es auch, die gar nicht so wenigen Liedstellen in Eigenregie zu vertonen. Und ein dritter "Pensionist" war ebenfalls mit von der Partie, Max Hiesmayr, der sich gemeinsam mit Dir. Themeßl und Gottfried Hoislbauer um die Requisiten kümmerte.

Unser Regisseur entwarf auch die Bühnenbilder und schloss sich mit unserem Hausmeister und schon hart erprobten Bühnenprofi August Wolfmayer kurz, dem noch nie eine Herausforderung zu groß war, um sie nicht doch anzunehmen und bravourös zu bewältigen.

Im Oktober begannen die ersten Stellproben und so manche mussten feststellen, dass sie eine wahrhaft tragende Rolle zu spielen hatten, die in ihrer Intensität und Länge vorher unterschätzt worden war...
Aber nun gab's kein zurück mehr, der Probenplan stand, die Wochenenden und ein bis zwei Werktagsabende gehörten der Probenarbeit, das Bühnenbild nahm langsam Gestalt an, auch hier leistete unser Regisseur viel Arbeit, Requisiten mussten herbei geschafft, die Kostümfrage von Brigitte Peer, Petra Pramhas und Andrea Schicker gelöst, und manche Rollen noch immer gelernt werden...
Hektik kam auf, immer wieder neue technische Problem (v.a. pyrotechnischer Art !) ließen unsere Phantasie auf Hochtouren arbeiten und wurden schließlich genial gelöst (großes Lob an Rainer Derschmidt, Wolfgang Schneider und Alexander Thorwartl!).

In all diesem kreativen Chaos behielt unser Inspizient Manfred Schabetsberger aber jederzeit die erforderliche Ruhe, um nicht den Überblick zu verlieren, und Maria Just und Heike Schatzlmayr lösten als Maskenbildnerinnen ihre Aufgabe großartig, immerhin hatten sie aus Wolfgang Schneider und Franz Fischer Doppelgänger zu machen und aus Rainer Derschmidt eine Dame...
Licht und Ton übernahmen schließlich Gottfried Neubauer und Alexander Kinz, Ruth Riebe nahm sich der graphischen Gestaltung von Plakat und Programmheft an, Heinrich Oberngruber scharrte sein Team um sich, um für das leibliche Wohl unseres Publikums in der Pause zu sorgen.

Und endlich war es soweit, es konnte gespielt werden. Und wieder war es da, dieses unglaubliche Gefühl der Anspannung, der Nervosität, des Lampenfiebers wie vor einer Prüfung. Wird alles gut gehen? Werden die Effekte klappen? Wird jemand im Text "hängen" bleiben? Und vor allem: werden wir unser Publikum überzeugen und zufrieden stellen können?
Und so warfen sich alle mit all ihrer Energie in das Stück, in die vier Aufführungen, gaben ihr Bestes und ................ gewannen
Unser gemeinsames Arbeiten, die vielen investierten Stunden, Tage und Wochen hatten sich bezahlt gemacht, unser Stück war ein Erfolg, ausnahmslos alle hatten dazu beigetragen, alle ihr Bestes gegeben, sich mit vollem Engagement eingebracht.

Aber ein paar herausragende Schauspieler und Schauspielerinnen müssen einfach noch namentlich genannt werden:
Anna Elisabeth Mittmannsgruber als brillante Luisa, Barsängerin und Frau zwischen den ebenso hervorragenden Doppelgängern Wolfgang Schneider als brutalem Gangster Giovanni Gallina und Franz Fischer als sozial engagiertem Arbeiterpriester, der schließlich sogar eine Gangstergewerkschaft gründet, Gabriela Meinhart als ihre singende Nebenbuhlerin, der so schwungvolle und begeisterte Nachwuchsgauner Blondi alias Alexander Thorwartl, sowie der schließlich beinahe verzweifelnde Kommissar Norman Hämmerle, der Knacki Renate Habermayer sogar zu einem gewagten, aber exzellent präsentierten FlickFlack zwingt, Fritz Reder, der zwei große Rollen als Professor einer Irrenanstalt und als Gauner Fritze Frühstück auf sich nahm und schließlich auch die beiden schwarz-weißen "Intermédiaires" Maria Just und Heike Schatzlmayr.

Abschließend stellvertretend eine für die vielen positiven Reaktionen des Publikums: "Ungeahnte (wirklich????) Talente schlummern in den Aloisianer Kolleginnen und Kollegen! Gestern traten sie in einer fulminanten Vorstellung zu Tage. Ein toller Spaß, eine hervorragende Leistung, ich bin restlos begeistert und möchte allen am Theater Beteiligten gratulieren und meine Bewunderung aussprechen! ... " (Dr.Barbara Moser, Dir. II.BG/BRG Linz)

Die pädagogische Mannschaft des Aloisianum wird nun sicherlich wieder eine Pause einlegen, nicht jedes Jahr sind solche Anforderungen und Belastungen durchhaltbar, aber der Autor dieser Zeilen ist Optimist: Es wird nicht das letzte "Lehrertheater" an unserer Schule gewesen sein, dazu ist die Tradition bereits zu stark, das gemeinsame kreative Arbeiten an einem gemeinsamen Ziel als viel zu wertvoll erlebt worden, um es auf Dauer missen zu wollen, und schließlich sind wir alle angesteckt vom Zauber der Theaterwelt, in dessen Bann uns Jakob Ebner geführt hat!

Mag. Walter Klopf