Der Freinberg

nach E. Puffer, Der Freinberg. Kleinausstellung des Archivs der Stadt Linz, 1983

Das am Nächsten gelegene Erholungsgebiet der Linzer ist zweifellos der mit seinen Ausläufern mitten in die Stadt reichende Freinberg. Wenn auch Teile seiner Abhänge mehr und mehr verbaut werden, so war hier bis weit ins 20. Jahrhundert hinein fast ausschließlich Grünland.

Bewohnt waren die Höhen des Freinbergs schon in der Frühgeschichte, was Funde aus der Jungsteinzeit und den folgenden Epochen belegen. Die Höhensiedlung aus der Urnenfelderzeit wurde von den Kelten übernommen, ausgebaut und befestigt, wovon Funde in der Nähe der Franz-Josef-Warte zeugen.

Der Freinberg, der schon 1583 so genannt wird, dürfte nach seinem einstmaligen „freien" Besitzer Marschall Wolfern von Wallsee benannt worden sein und ursprünglich nur das Gebiet zwischen Jesuitenkolleg und Jägermayr bezeichnet haben. Der nördliche Teil hieß „Galgenberg", weil sich dort seit 1494 die Richtstätte mit Galgen befand, der im 18. Jahrhundert zur „Neuen Welt" verlegt wurde, anschließend „Jägermayrberg". Erst seit 1910 findet sich die Bezeichnung Freinberg für den ganzen Höhenrücken.

Der Nordabfall zur Donau hieß nach dem oberhalb von St. Margarethen liegenden Kalvarienberg „Calvariwänd". Die Kalvarienkirche wurde nach dem Dreißigjährigen Krieg erbaut. Sie ist nicht nur vom Zaubertal (St. Margarethen) her sondern auch über eine Stiegenanlage mit Kreuzwegstationen von der Donaubundesstrasse aus erreichbar.

Die Abhänge des Freinbergs wurden früher landwirtschaftlich genutzt und gehörten zu zahlreichen Bauernhöfen, deren Namen sich in Straßennamen erhalten hat. Nach Leonding hin hat sich der ländliche Charakter der Landschaft länger erhalten.

Auf dem Freinberg ist das mächtige Gebäude des „Gymnasium Aloisianum" und der Maximiliankirche ein Blickfang. Kloster und Kirche haben eine merkwürdige Geschichte: Erzherzog Maximilian dī Este, ein Spross der Familie Habsburg, hatte den Plan, verschiedene Städte der Monarchie zu befestigen, um einen ungehinderten Einmarsch fremder Truppen - wie den Napoleons- zu verhindern. Linz sollte mit einem Ring aus Festungstürmen umgeben werden. Dazu ließ er 1827/28 auf dem Freinberg einen Probeturm errichten, der nach einer Beschießung die Erwartungen erfüllte, jedoch von der Lage her für die Befestigung nicht benötigt wurde. So wurde er 1837 nach seiner Umgestaltung zum Wohnturm den Jesuiten übergeben. Die Maximiliankirche neben dem Turm wurde von 1835-37 errichtet. 1851-53 ließ Erzherzog Maximilian das Konviktsgebäude erbauen, in dem das Diözesan-Knabenseminar untergebracht wurde, das ab 1897 ins Petrinum übersiedelte. In der Folge wurde 1912 ein Gymnasium mit Internat, das Collegium Aloisianum, untergebracht. (Details zur Schulgeschichte siehe weiter unten).

Schon zur Biedermeierzeit gab es im Bereich des Freinbergs viele Gasthäuser und Jausenstationen, wie das „Milchmariandl" oberhalb des Römerbergs, weiter unten das „Paradiesgartl", dessen Räume jetzt als Kindergarten dienen. Am südlichen Abhang war das Gasthaus „Binder im Rath" (neben dem jetzigen Minigolfplatz) bis 1972 in Betrieb.

Das Gasthaus „Zur schönen Aussicht" neben der Franz-Josef Warte wurde 1970 abgetragen, das Grundstück in die Grünanlagen einbezogen.

Die bedeutendste Gaststätte, „Zum Jägermayr" ging vermutlich aus einem ehemaligen Forsthaus hervor. Nach mehreren Umbauten und Besitzerwechseln wurde das Objekt von der Arbeiterkammer gekauft und dient als Tagungsstätte.

Um die Ausgestaltung des Freinbergs zu einer Parklandschaft hat sich der 1865 gegründete Linzer Verschönerungsverein verdient gemacht. Nach und nach wurde die ganze Fläche zu einem Naherholungsgebiet ausgebaut. Die Aussichtswarte, aus Anlass des 40jährigen Regierungsjubiläums von Kaiser Franz Josef errichtet, ersetzte 1888 eine baufällige Holzkonstruktion, das Aussichtsplateau über der Donau wurde 1925 fertig gestellt.

Auch am Bauernberg wurde seit 1885 vom Industriellen Hatschek mit der Umgestaltung der Sandgruben zu einem Park begonnen.

In den Jahren 1937/38 wurde die Höhenstrasse über den Freinberg im Zuge des staatlichen Beschäftigungsprogramms erbaut, wobei der prachtvolle Ausblick vom 5 m breiten Gehweg bemerkenswert ist.

Der Vorläufer des heute sichtbaren Senders, eine Marconi-Sendeanlage, wurde 1928 errichtet. Der jetzige Sender wurde 1936 nach einjähriger Bauzeit in Betrieb genommen, seine Höhe 1950 von ursprünglich 165 m auf 120 m reduziert.

Auf dem Freinberg befinden sich zahlreiche Gedenkstätten, so die schon erwähnte Freinbergwarte, das 1913 erbaute Fliegerdenkmal unterhalb des Jägermayr, das an Ballonflüge des Erzherzogs Josef Ferdinand erinnert. Die Barbarakapelle wurde 1930 vom Artilleristenbund zur Erinnerung an die Gefallenen erbaut. Von ihr aus hat man einen schönen Blick auf die beiderseits der Donau gelegenen Stadtteile. Als jüngstes Denkmal ist das 1961 für die Schwedin Elsa Brandström errichtete Ehrenmal zu nennen. Diese Frau hatte sich bei der Betreuung der in Sibirien internierten Kriegsgefangenen des 1. Weltkriegs hervorgetan.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde „Auf der Gugl" das Stadion errichtet, etwas unterhalb in Richtung Innenstadt der Botanische Garten.