Kurze Geschichte der Hausbibliothek am Aloisianum
Die Bibliothek des Aloisianums ist zwar nicht eine der bekanntesten in Oberösterreich, sie ist aber eine gut bestückte Kollegsbibliothek, die eine ganze Reihe von bibliophilen Kostbarkeiten besitzt.
Der Bestand umfasst rund 70.000 Bände und dokumentiert die rege Forschungs- und Lehrtätigkeit der Jesuiten am Freinberg.
Die Geschichte der Linzer Jesuitenbibliothek zerfällt in zwei Teile: in die Zeiten des Bestehens der Gesellschaft Jesu vor der Auflösung des Ordens 1773 und in die Neubildung der Bibliothek in Zusammenhang mit der Gründung des Hauses am Freinberg.
Die "alte" Jesuitenbibliothek bildet heute einen großen Teil des Grundbestandes der Bundesstaatlichen Studienbibliothek in Linz.
Die Freinberger Bibliothek in ihrer heutigen Form ist eine Sammlung, die sich seit 1837 entwickelte. Ihre solide Basis sind die rund 6.000 Bände, die P. Anton Eglauer vor seinem Tod im Jahre 1824 testamentarisch der Gesellschaft Jesu für den Fall vermachte, dass innerhalb von 25 Jahren nach seinem Tod wieder Jesuiten in Österreich wirken könnten.
Als das Kolleg am Freinberg seine Pforten öffnete, hatte diese Büchersammlung wieder eine Funktion bekommen. Durch Zukäufe und Schenkungen vermehrt, war sie zwar niemals eine Prunkbibliothek, aber eine praxisorientierte Büchersammlung für Studium, Seelsorge, und Schule.
Nicht alle Bände können als bibliophile Kostbarkeiten angesehen werden, aber der Bestand alter, historischer Bücher ist beträchtlich. Vieles ist inhaltlich überholt, jedoch als Dokument von außerordentlichem Wert.
1954 wurden die Bücher vom Parterre des Konviktsgebäudes in ein neu ausgebautes Kellergeschoss unter dem heutigen Schülerspeisesaal transferiert. In den folgenden Jahrzehnten bis 1990 drückte vor allem P. Otto Leisner der Bibliothek seinen Stempel auf. Diese Bibliothek - Hausbibliothek genannt- ist für den internen Gebrauch der Patres bestimmt und öffentlich nicht zugänglich.
Die neue Schulbibliothek
Für den Schulgebrauch wurden aktuelle Werke aus dem Bestand der Hausbibliothek in einer Schüler- und Lehrerbibliothek zusammengestellt, die 1972 in einem Raum neben dem Musiksaal untergebracht wurde.
Mit dem vom Unterrichtsministerium geforderten Aufbau von zentralen Schulbibliotheken stellte sich eine neue Situation: der oben erwähnte Raum war für die Anforderungen einer zentralen Schulbibliothek zu klein. Da im Turm nicht mehr alle Räume für die Ordensgemeinschaft benötigt wurden, nützte man den alten Speisesaal im Halbstock des Turms. Dieser Raum, der eine Hälfte der Turmrundung einnimmt, war der Speisesaal der Patres gewesen und hatte schon viele Schicksale erlebt: Speisesaal für Schüler, später für Patres und Lehrer sowie Depot der Hausbibliothek. Nach Entfernung einer Trennwand wurde ein repräsentativer Bibliotheksraum eingerichtet. Dafür mussten die Mauern trockengelegt, ein Parkettboden verlegt und neue Kunststoff-Fenster angefertigt werden.
Die durch die meterdicken Mauern geformten Fensternischen wurden als Sitzecken gestaltet und der ganze Raum mit passendem Mobilar, das zum Stil des Baus passt, ausgestattet.
Die Bibliothek bildet auch den Rahmen für die Gemälde des Malers Franz Stecher, der im 19. Jahrhundert auf dem Freinberg gewirkt hatte. Nach einem überlebensgroßen Ignatiusbild dieses Malers und aufgrund ihrer Fertigstellung im Ignatiusjahr wurde die Bibliothek von Rektor P. Platzgummer "Ignatiusbibliothek" genannt.
Das erste Halbjahr 1991 verging mit der Einrichtung und Ordnung der Bibliothek und dem Beginn der EDV-mäßigen Erfassung der Bestände, wobei inhaltlich überholte Werke in den Bestand der Hausbibliothek rückerstattet wurden.
Die Bibliothek wird von Professor Dr. Fritz Reder betreut. Seit Anfang 1998 stehen zwei Computer, davon einer mit Internetanschluss und Scanner, für die Arbeit von Schülern und Lehrern zur Verfügung.




